Puzzleteile
Energiearmut und warum der Zugang zu erneuerbarer Energie notwendig für nachhaltige Entwicklung ist
Die Anstrengung gegen Energiearmut ist universell und umfassend. Doch trotz der Grundlage, welche Zugang zu sauberer Energie für Gemeinschaften birgt, um ihr Potenzial ausschöpfen und auf ganzheitliche und sozial integrative Weise funktionieren zu können, hat dies noch nicht den Weg in die Forschungs-, Entwicklungs- und politische Agenden gefunden, wie wir es als notwendig erachten.

Autor: Farah Barakat & Boris Heinz, Hudara

Energiearmut bedeutet, dass keine erschwingliche, zuverlässige, sichere und umweltfreundliche Energie zur Verfügung steht

Heute leben weltweit 840 Millionen Menschen ohne Zugang zu sauberer und erschwinglicher Elektrizität. 3 Milliarden Menschen verwenden schmutzige Brennstoffe bzw. Brennholz für die Lebensmittelzubereitung. Dadurch entsteht Rauch, der zu 4,3 Millionen Todesfällen pro Jahr führt, über die Hälfte derer betrifft Kinder unter fünf Jahren. Fehlender Energiezugang hängt direkt mit Armut zusammen und hat Folgen für alle Bereiche des täglichen Lebens. Einerseits ist Energie in allen Sektoren von wesentlicher Bedeutung, von der Bildung bis zur Gesundheitsversorgung, in der Landwirtschaft und für die Infrastruktur- und Kommunikationsdienste. Auf der anderen Seite behindert der Mangel an Energie eine gerechte menschliche und wirtschaftliche Entwicklung.

 

Wenn wir Worte wie Wirtschaft, Infrastruktur, Gesundheitssystem, Bildungssystem usw. verwenden, betrifft das konkretes Leben

Wir sprechen von der Verfügbarkeit von sauberer Energie zum Gebrauch im Alltäglichen, von Licht zum Lesen und Lernen, von Licht, um nachts draußen sicher gehen zu können, von der Zubereitung von Mahlzeiten, ohne schmutzige Brennstoffe auszustoßen, von Heizung um Menschen zu wärmen, von Kühlung in den heißesten Gebieten dieser Welt, von der Erreichbarkeit verschiedener Informationen im Internet und dadurch Erwerb von Wissen und von vielem mehr. Saubere Energie ist nicht nur bedeutend für das Ankurbeln der Volkswirtschaften und Systeme, sie ermöglicht es den Menschen ganz konkret, gesünder und sicherer zu leben, ihr Potenzial voll auszuschöpfen, eine faire Gegenwart zu erleben und die Saat für eine friedliche und gerechte Zukunft zu säen.

 

Energiearmut fordert insbesondere von Frauen Tribut

In den meisten Gemeinden sind diese stark betroffen, da ihre traditionelle Rolle darin besteht, das benötigte Brennholz zum Kochen zu sammeln; eine solche Tätigkeit schließt ein, sich laufend weit vom Haus zu entfernen, täglich viele Stunden – das ist für Frauen oft mit Gefahr und Unsicherheit verbunden. Zusätzlich zu der gefährlichen Umgebung und dem Risiko, beim Sammeln überfallen werden zu können, nimmt die Brennholzbeschaffung auch ein enormes Ausmaß an Zeit ein. Zeit, die für Studium und andere Arbeiten eingesetzt werden könnte. Daher ist der Zugang zu Energie entscheidend für grundlegende Sicherheit und die Lebensmöglichkeiten der Frauen.

 

Schaffung von Zugang zu Energie ist nicht nur ein technologischer, sondern auch ein demokratischer Prozess

Der Wandel für eine Welt, in der hauptsächlich erneuerbare Energien Verwendung finden, deutet sich bereits in vielen Regionen an. Nichtsdestotrotz ist die Schaffung des Zugangs zu Energie nicht nur eine Frage der Implementierung einer Technologie – es ist ein Prozess, der Zeit, Verständnis für den spezifischen Kontext und die Einbeziehung der Menschen, die von der Energie versorgt werden, fordert. Es geht nicht nur um Energiearmut und die Schaffung des Zugangs zu Energie, sondern auch um Energiedemokratie. Die Energiedebatte inspirierte viele Aktivistinnen und Aktivisten dazu, sich mit Fragen von widersprüchlichen Interessen, Kontrolle und Eigentum, Kolonialismus, Klasse, Geschlecht, ethnische Zugehörigkeiten, kurz – mit Fragen der Macht zu befassen. Energiedemokratie ist ein Konzept und eine soziale Bewegung, die in ihrem Kern politische, wirtschaftliche und kulturelle Aspekte verbindet. Diese Demokratie bedeutet, dass die vier Ds – verteilte Energie, Dezentralisierung, Eigentumsdemokratie und disruptive Technologie – berücksichtigt werden (engl.: distributed power, decentralization, democracy of ownership, and disruptive technology).

Da die Temperatur sowohl im wörtlichen als auch im metaphorischen Sinne immer weiter steigt, entstehen mehr denn je Vorstellungen von Energiesicherheit und Energiedemokratie, denn immer mehr Menschen setzen sich dafür ein, mitsprechen, mitgestalten und mitentscheiden zu können. Wir von Hudara sind auch der Überzeugung, dass wir saubere, erschwingliche und leicht zugängliche Energiequellen weltweit brauchen, denn dies ist kein Luxusanspruch, sondern ein Recht, das für alle entscheidend und wesentlich ist. Wir müssen kollektiv handeln. Denn dies ist mein Klima, dein Klima und unser Klima.