Stimmen aus dem Feld
Grenzübergreifend arbeiten in Karamoja
In den grenzüberschreitenden Landschaften Karamojas arbeiten Gemeinschaften, Institutionen und Partner zusammen, um anhaltende Herausforderungen anzugehen. Die Stärkung von Lebensgrundlagen, die Förderung grenzübergreifender Kooperation und das Zuhören vielfältiger Stimmen sind entscheidende Schritte, um die Anfälligkeit gegenüber Klimaschocks zu verringern, systemische Lücken zu schließen und schrittweise inklusivere Wege zu Resilienz, Frieden und nachhaltiger Entwicklung aufzubauen.

Autorin
Pia Gleich

Bild
Zerstörte Ernten und beschädigte Lagerstätten für Erntevorräte.


Eine semiaride grenzübergreifende Region

Karamoja – eine Region mit semiaridem Klima, wiederkehrenden Dürren und unregelmäßigen Regenzeiten – erstreckt sich über mehrere Staatsgrenzen und umfasst Teile Ugandas, Kenias und des Südsudan. Rund 1,2 Millionen Menschen leben auf einer Fläche von etwa 27.500 Quadratkilometern – überwiegend Viehzüchterinnen und Landwirtinnen, deren Lebensgrundlagen von Viehzucht, kleinbäuerlicher Landwirtschaft und regionalem Handel abhängen. Trotz ihres Potenzials steht Karamoja vor anhaltenden Herausforderungen: Ernährungsunsicherheit, begrenzter Zugang zu grundlegenden Dienstleistungen, hohe Armutsraten und eine starke Anfälligkeit für Klimaschocks.


Lebensgrundlagen stärken und grenzübergreifende Zusammenarbeit fördern

In den vergangenen Jahren haben staatliche Institutionen, lokale zivilgesellschaftliche Organisationen und internationale Entwicklungsakteure ihre Bemühungen verstärkt, um Lebensgrundlagen zu stärken, den Zugang zu Bildung und Gesundheitsdiensten auszuweiten und Frieden und Sicherheit zu fördern – nach Jahrzehnten von Viehdiebstahl und langanhaltenden Konflikten. Aufgrund ihrer strategischen Lage an der Schnittstelle von Uganda, Kenia und Südsudan spielt die Region Karamoja eine zentrale Rolle für grenzüberschreitende Kooperation in den Bereichen Handel, Viehmobilität und Konfliktprävention. Entsprechend wurden Koordinationsmechanismen über Grenzen hinweg zunehmend gestärkt, um Konfliktrisiken zu mindern, die Marktintegration zu verbessern und die sichere sowie regulierte Bewegung von Menschen und Vieh über nationale Grenzen hinweg zu erleichtern.


Multi-Stakeholder-Review zur Umsetzung eines grenzübergreifenden Pilotprojekts

Zum Jahresende fand ein Forum des Entwicklungsprogramms der Vereinten Nationen (UNDP) statt, das Vertreter*innen staatlicher Institutionen, UN-Organisationen und der Zivilgesellschaft zusammenbrachte. Eine Kollegin und ich nahmen daran teil und vertraten Hudara. Wir reflektierten Fortschritte, Herausforderungen und gewonnene Erkenntnisse und diskutierten notwendige nächste Schritte. In den vergangenen 18 Monaten hat ein von UNDP koordiniertes Kooperationsgremium eng zusammengearbeitet, um ein integriertes Pilotprojekt in den Grenzregionen Turkana und West Pokot in Kenia sowie Karamoja in Uganda umzusetzen. Ergebnisse zur Stärkung von Lebensgrundlagen, zur Verbesserung der Resilienz und zur Förderung grenzüberschreitender Zusammenarbeit wurden zusammengetragen und diskutiert.


Systemische Lücken erfordern integrierte Lösungen

Während des Forums äußerten die Teilnehmenden ein starkes Gefühl der Dringlichkeit. Der eingeschränkte Zugang zu Finanzmitteln bleibt eines der größten Hindernisse für wirtschaftliches Wachstum – insbesondere für Frauen, die häufig Schwierigkeiten haben, Kredite oder Land zu erhalten. Das begrenzt ihre Möglichkeiten, Unternehmen zu gründen oder von reiner Viehwirtschaft zu Agro-Pastoralismus oder Landwirtschaft zu wechseln. Ebenfalls betont wurde der dringende Bedarf an verlässlichem Zugang zu sauberem Wasser, da vielen Gemeinschaften weiterhin sichere Quellen fehlen. Aufgrund der großen Entfernung zu den nationalen Hauptstädten bestehen im Karamoja-Cluster weiterhin Defizite bei staatlicher Unterstützung und Infrastruktur. Die Diskussionen unterstrichen die Bedeutung, diese miteinander verknüpften Herausforderungen durch integrierte Ansätze anzugehen – einschließlich Capacity-Building-Programmen, die Wassermanagement, Landwirtschaft, Friedensförderung, Geschlechtergerechtigkeit und psychische Gesundheit verbinden, insbesondere vor dem Hintergrund des Klimawandels.


Einblicke aus dem Feld in lokale Erfahrungen und regionale Entwicklungsdynamiken

Im Rahmen des Forums gewannen wir durch Feldbesuche und Konsultationen Eindrücke aus erster Hand. Wir trafen eine landwirtschaftliche Frauenkooperative, deren Mitglieder die Herausforderungen schilderten, mit denen sie konfrontiert sind – darunter begrenzter Landbesitz, veränderte Niederschlagsmuster und wiederkehrende Ernteausfälle. Gleichzeitig wurde die Stärke und Solidarität ihres kollektiven Ansatzes deutlich. Eine weitere vorgestellte Initiative war ein lokales Honigproduktionsunternehmen, das eine wichtige ergänzende Einkommensquelle zur Landwirtschaft darstellt. Darüber hinaus wurden größere, ausländische und industrielle Aktivitäten – etwa eine Zementfabrik – besucht und mit Blick auf ihre sozialen, wirtschaftlichen und ökologischen Auswirkungen auf die Region diskutiert.


Wo nachhaltiger Wandel beginnt

Während wir weiter lernen und unsere Zusammenarbeit stärken, machte das Karamoja-Forum eine zentrale Erkenntnis deutlich: Nachhaltiger und inklusiver Wandel beginnt mit echter Zusammenarbeit, dem Zuhören unterschiedlicher Stimmen aus den Gemeinschaften selbst und dem gemeinsamen Gewinn eines tiefen Verständnisses lokaler Realitäten. Die Vielfalt von Erfahrungen anzuerkennen und das Wissen der Gemeinschaften wertzuschätzen, sind grundlegende Voraussetzungen für sinnvolles Engagement. Darauf aufbauend müssen wirksame Partnerschaften lokal benannte Prioritäten mit nationaler, regionaler und internationaler Unterstützung verbinden, damit Maßnahmen kontextsensibel, lokal verankert und langfristig resilienzfördernd wirken können.